WORKSHOP Kommunikation und Verantwortung

Deutsch

Ausschreibung für die Teilnahme am WORKSHOP Kommunikation und Verantwortung Reflexion der Ukraine-Krise in dialogischer Perspektive 16. bis 19. November am Les Kurbas Centre Kiew gefördert und organisiert durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Partner: Kurs Sučasnogo mystectva Die Majdan- und Antimajdan-Proteste, die Okkupation der Krim, der Krieg im Donbass und der allgemeine Propagandakampf um die Ukraine haben die Frage nach dem Wesen der öffentlichen Kommunikation und ihre Rolle für das Funktionieren einer verantwortlichen Zivilgesellschaft scharf gestellt. Die extreme Vereinfachung der vor sich gehenden Ereignisse auf der einen und relativistische Haltungen auf der anderen Seite stellen die Möglichkeit eines verantwortungsbewussten Handelns in Frage. Wir wollen daher im Workshop nach anderen Einstellungen fragen, die zum einen der Vielfalt und Komplexität der Ereignisse gerechter werden, sie (die Ereignisse) zum anderen aber auch nicht im medialen Raum der „floating signifiers“ verschwinden lassen. Uns erscheint dabei Michail Bachtins Perspektive der Dialogizität Auswege aus den oben genannten Positionen aufzuweisen. Bachtin stellt dem objektivierenden Blick auf den Anderen das „dialogische Einverständnis“ gegenüber. Mit Bachtin nehmen wir uns im Workshop erstens vor, ein geisteswissenschaftliches Denken zu stärken, das methodisch nicht von Objekteigenschaften, sondern von der semantischen und zeichenhaften Interaktion zwischen Räumen, Zeiten und Gruppen ausgeht. Eine Seite dieser Interaktion bildet immer der Standpunkt, von dem aus geblickt wird, so dass wir immer zugleich involviert sind und zugleich eine Beobachtungsdistanz haben. Eine solche Distanz ist möglich, und zwar dann, wenn die andere Seite im Dialog nicht nur beobachtet wird, sondern mit ihrem authentischen und legitimen Standpunkt auch gehört und verstanden wird. Das gilt für räumlich, zeitlich, axiologisch und ethnisch Andere. Gegen die Vorstellung der „floating signifiers“ wollen wir zweitens Bachtins Begriff der Verantwortung für die Semantik des verwendeten Wortes (auch und gerade vor dem Hintergrund seiner propagandistischen Instrumentalisierung im Ukraine-Konflikt) durchleuchten. Kurz, wir wollen ausgewählte Texte von Bachtin in den Mittelpunkt des Workshops stellen und Bachtin vor dem Hintergrund des Konfliktes und Krieges in der Ukraine neu lesen und versuchen Schlüsselbegriffe Bachtins wie „Dialogizität“ und „Verantwortlichkeit“ danach zu befragen, inwiefern sie imstande sind, Alternativen auf die oben skizzierten Positionen aufzuzeigen und somit einen Beitrag zum Verständnis unserer Zeit und damit zur Verständigung zu leisten. Wir möchten dabei insbesondere die Erfahrungen einbeziehen, die die Teilnehmer des Workshops in den letzten zwei Jahren gesammelt haben. Daher wollen wir neben den eher theoretischen Teil aus Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops zu Bachtin eine künstlerisch-performative Auseinandersetzung der Krisen-, Kriegs- und Konflikt-Erfahrungen der Teilnehmer setzen, die durch die Kiewer Künstlerin Lada Nakonechna und die Kunsttheoretikerin Kateryna Badianova angeleitet werden soll. Darüber hinaus versucht die Theatergruppe TanzLaboratorium mit Mitteln des dokumentarischen Theaters in Erfahrung zu bringen, wie ein verantwortlicher Dialog aussehen könnte. Der praktische Teil soll nicht nur eine vertrautere Arbeitsatmosphäre schaffen, sondern auch noch stärker die Möglichkeit bieten, die Bachtin-Texte mit den Erfahrungen der Teilnehmer zu konfrontieren. Als Dozenten und Diskussionsteilnehmer für unsere Veranstaltung konnten wir Herrn Prof. Dr. Matthias Freise (Universität Göttingen) sowie Frau Dr. Irina Spiegel (LMU München) gewinnen. Ukrainische Dozenten (Journalisten, Akademiker) sind angefragt. Gesucht werden 15 Teilnehmer aus der Ukraine Teilnahmebedingungen: • grundsätzlich können sich alle am Thema Interessierten (Akademiker wie NichtAkademiker) bewerben • Arbeitssprachen im Workshop: Russisch, Ukrainisch, Deutsch (Deutschkenntnisse sind von Vorteil, jedoch nicht zwingend für die Teilnahme am Workshop) Aufgaben: • Vor dem Workshop: Lesen des Readers, in dem ausgewählte Texte für die Workshoparbeit zusammengestellt sind (Bachtin, Arendt etc.). Der Reader wird den ausgewählten Teilnehmern per Mail zugeschickt. • Während des Workshops: aktive Mitarbeit Details: • Reise- und Aufenthaltskosten werden vom DAAD erstattet Bewerbung: • Tabellarischer Lebenslauf • • Ein informelles, gerne auch originelles Anschreiben auf Ukrainisch, Russisch oder Deutsch, das über folgende Fragen Auskunft gibt: – Wer bin ich? – Was verstehe ich unter Dialog? – Warum möchte ich teilnehmen? • Bitte senden Sie die Unterlagen per E-Mail bis zum 01.11. 2015 an daad.uni.luzk@posteo.de